ARD WM-Studio 2018

© Matthias Rohde

Das doppelte WM-Studio

Im gemeinsamen Studio von ARD und ZDF für die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland verleihen leuchtende Elemente aus PLEXIGLAS® den unterschiedlichen Live-Sendungen eine eigene Identität.

2014, bei der Fußball-WM in Brasilien, sendeten ARD und ZDF noch von der Copacabana – 2018 berichten die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nicht direkt aus Russland, sondern aus einem gemeinsamen Sendezentrum beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden. „Das Studio ist die gemeinsame Plattform für die Berichterstattung“, erläutert Matthias Rohde, der als freier Bühnenbildner das Konzept für das WM-Studio im Auftrag des SWR entworfen hat. „Jeder Sender möchte aber trotzdem optische Alleinstellungsmerkmale für seine Studiokulisse.“

Gemeinsames Studio mit flexiblem Design

Egal ob die ARD oder das ZDF sendet – gemeinsam ist ihnen ein Kernstück des Studios: das „Fenster nach Russland“, wie es Rohde nennt, die raumfüllende LED-Videowand, knapp 11 Meter lang und fast 3 Meter hoch. Die LED-Videowand kann sogar Ultra-HD-Bilder übertragen. Alle anderen Kulissen hingegen werden zwischen den Übertragungstagen jeweils komplett umgebaut. Je nach Sender wechseln also die Moderationstische – und auch die transparenten Scheiben, die mit ihren leuchtenden grafischen Elementen an den Studioseiten für die gewünschte Atmosphäre sorgen. Denn beide Sender setzen hier auf ganz unterschiedliche Motive: Sendet die ARD, stellen die Leuchtpaneele ein stilisiertes Stadion dar, das an das Intro der ARD-Hauptsportsendung „Sportschau“ erinnert. Überträgt hingegen das ZDF, greifen die Leuchtelemente mit großformatigen Balken das Design des „aktuellen sportstudios“ auf.

Einmal dezent, einmal kraftvoll

Während das ZDF-Design eher dezent im Hintergrund steht, mit seinen auf die Leuchtelemente aufgedruckten Balken, erscheint das kraftvoll leuchtende Stadion des ARD-Designs fast so, als schwebte es im Raum. Dieser Eindruck entsteht durch eine spezielle Beleuchtungstechnik: sogenannte Lightgraphic-Elemente, konstruiert von der axis GmbH & Co. KG aus Nürnberg. Das bedeutet, dass in eine 8 Millimeter dicke, transparente Platte aus PLEXIGLAS® GS filigrane Strukturen eingelasert werden. Der Effekt: Wird von oben und unten Licht in die Platte eingespeist, tritt es an den Stellen der Lasergravur sowie an den Kanten wieder aus. „Durch die außergewöhnliche Lichtleitfähigkeit von PLEXIGLAS® tritt die Lichtquelle selbst in den Hintergrund“, beschreibt Felix Szak, Mitglied der Geschäftsführung von axis: „Das Acrylglas selbst wirkt fast unsichtbar, während das beleuchtete Muster homogen leuchtet und so deutlich hervortritt.“

Ich verstehe ein Studiodesign nicht als Dekoration, es geht darum, einen Raum zu gestalten.

Matthias Rohde
Studiodesigner

Ein Stadion mit Schattierungen

Für das WM-Studio wurden nun insgesamt 14 dieser mehr als 2 Meter hohen Lightgraphic-Elemente gefertigt – keine Standardaufgabe für die Lichtexperten von axis: „Die gestalterischen Möglichkeiten von Lightgraphic sind zwar im Prinzip unendlich“, sagt Szak. „Aber für jedes neue Motiv ist immer eine gewisse Entwicklungsarbeit nötig.“ So sollte das grafische Stadion zunächst nur mit den äußeren Linien dargestellt werden. „Aber das reichte nicht aus, um das Stadion gut zu erkennen“, so der Lichtexperte. Stattdessen wird es nun durch feine Schattierungen deutlich sichtbar. „Dafür ist es wichtig, dass sich PLEXIGLAS® sehr exakt lasern lässt“, erläutert Szak. „Denn erst dadurch, dass die eingravierten Linien unterschiedlich breit und tief sind, ergibt sich ein Helligkeitsunterschied, aus dem dann das Stadion entsteht.“

ARD WM-Studio 2018

Farbwechsel im Tagesverlauf

Beleuchtet werden die PLEXIGLAS® Elemente von oben und unten mit farbigen LEDs. Dadurch sind sogar Farbverläufe möglich. Im Verlauf eines Übertragungstages verändert sich die Farbgebung der einzelnen Elemente – tagsüber eher weiß, abends etwas wärmer. So entstehen unterschiedliche Lichtstimmungen im Studio.

© Matthias Rohde

Die Helligkeit wiederum war auch für Studiodesigner Rohde das entscheidende Argument für diese ihm bis dahin unbekannte Technik. „Wir wollten gemeinsam mit der Regie mal etwas Neues ausprobieren“, erzählt er. „Aber wir waren nicht sicher, ob es funktioniert, da es in einem Fernsehstudio sehr hell ist. Das heißt, alle beleuchteten Elemente müssen sehr stark leuchten – andernfalls sind sie nicht gut zu sehen.“ Das Ergebnis empfindet er als wirklich beeindruckend. Auch die Transparenz der PLEXIGLAS® GS Platten hat den Studiodesigner überzeugt: „Die PLEXIGLAS® Elemente verleihen dem Studio eine zusätzliche Bildebene, da sie mit der Kamera hinterfahren werden können“, berichtet Rohde. „Damit der Zuschauer dabei einen ungetrübten Blick auf die Moderatoren hat, müssen die Platten absolut transparent sein. Das trifft vollkommen zu.“ Ein perfekter Rahmen für das doppelte WM-Studio.