Transparente Treppe und Möbel aus PLEXIGLAS® in den 1970er Jahren

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Hauptsache, individuell: Neue Designs für das Zuhause der 70er

Ob transparent, bedruckt oder verspiegelt: Neue Varianten von PLEXIGLAS® verschönerten die Innenräume der 1970er Jahre – ob als transparente Treppe, farbenfrohe Leuchte oder bunte Wandverkleidungen.

Bloß nicht genauso eingerichtet sein wie die Nachbarn oder Freunde – das war die Devise der 1970er Jahre. Das Zuhause sollte die eigene Persönlichkeit widerspiegeln und sich vom herkömmlichen Einrichtungsstil abheben. Dank Materialien wie PLEXIGLAS® blieb bei der Umsetzung kaum ein Wunsch unerfüllt. Denn das Markenacrylglas von Evonik, damals noch Röhm GmbH, gab es schon zu dieser Zeit in vielen verschiedenen Varianten und Farben sowie mit unterschiedlichen Oberflächen.

Von Röhm & Haas zu Evonik

Erfunden und als Marke registriert wurde PLEXIGLAS® bereits 1933 bei Röhm & Haas. Zuvor waren Produkte auf Enzymbasis für die Leder- und Textilindustrie die Geschäftsgrundlage des 1907 von den beiden Jungunternehmern Dr. Otto Röhm und Otto Haas gegründeten Unternehmens gewesen. Nach dem Ausscheiden der Familie Haas als Gesellschafter im Jahr 1971 firmierte das Unternehmen als Röhm GmbH1989 erfolgte die Übernahme durch die Hüls AG, die 1999 mit Degussa fusionierte. Heute ist die Marke PLEXIGLAS® Teil des EvonikKonzernsMehr zur Geschichte der Röhm GmbH lesen Sie im EvonikGeschichtsportal.

Alternative zu Tapeten

Riesige Rauten oder grelle Blumen: Wenn die Tapeten der 1970er Jahre eines waren, dann auffällig. Doch auch neue Sorten PLEXIGLAS® eröffneten vielfältige Möglichkeiten bei der Wandgestaltung. So wurden zu dieser Zeit PLEXIGLAS® XT Platten mit individuellen Motiven bedruckt und dann als Wandverkleidungen montiert. Der Vorteil: Die Bedruckung war nicht nur temperaturbeständig, sondern auch abriebfest und widerstandsfähig. Damit waren die PLEXIGLAS® Platten die ideale alternative Wandgestaltung für Feuchträume, denn Feuchtigkeit oder Hitze konnten ihnen – anders als bei Tapeten – nichts anhaben.

Auch eine weitere Neuheit aus dem Markenacrylglas wurde in der Wandgestaltung eingesetzt: verspiegeltes und spiegelndes PLEXIGLAS®, welches heute als PLEXIGLAS® Reflections bekannt ist. Davon gab es sowohl eine farblose als auch sechs farbige Varianten. Die Räume wirkten durch die spiegelnden Elemente größer und weiträumiger. Zudem waren viele verschiedene Größen und Formen möglich: Im Gegensatz zu herkömmlichen Glasspiegeln ließen sich „PLEXIGLAS® Spiegel“ problemlos mit einer Kreis- oder Bandsäge zuschneiden – und auch Umformungen wie Wölbungen waren machbar. Damit stand einer individuellen Gestaltung nichts im Wege.

Ebenso wie das spiegelnde PLEXIGLAS® veränderten auch Lichtdecken, Leuchtwände oder Leuchten aus dem Markenacrylglas die Wirkung von Räumen. Ähnlich wie im heutigen Innenausbau dienten sie nicht nur der Beleuchtung, sondern schufen eine individuelle RaumatmosphäreDafür war PLEXIGLAS® das optimale Material, denn es ist lichtleitend und sorgt für eine blendfreie Beleuchtung, da es das Licht über die gesamte Fläche verteilt.

Zweischichtige Platten PLEXIGLAS®

Zur Herstellung von Wohnraumleuchten wurde in den 1970er Jahren häufig das zweischichtig gegossene PLEXIGLAS® bicolore genutzt, welches 1971 auf den Markt kam. Auch heute noch werden zweischichtige Platten PLEXIGLAS® verwendetzum Beispiel PLEXIGLAS® Hi-Glossallerdings ist die zweite Schicht inzwischen meist farblos. So entsteht eine außergewöhnliche Tiefenwirkung, durch die Farben noch leuchtender und intensiver zum Vorschein kommen.

Lichtdurchlässige Raumteiler

Nicht nur mit künstlichem Licht wurde versucht, die Räume möglichst hell wirken zu lassen. Auch Raumteiler, die zuvor zwar klare Strukturen schufen, Räume allerdings verkleinerten und verdunkelten, wurden nun in lichtdurchlässigen Versionen produziert. Transparente oder durchscheinende PLEXIGLAS® Platten machten es möglich, aus einem Raum mehrere zu machen, ohne die natürlichen Lichtquellen einzuschränken. Eine Option, die besonders gerne auch in Großraumbüros angewendet wurde, um einzelne Arbeitsplätze abzugrenzen. Aber auch in größeren Wohnräumen ließen sich so einzelne Bereiche, wie etwa Essecken, abtrennen.

Treppen, transparent wie Eis

Auch für Treppen und Treppengeländer sollte es in den 1970er Jahren kein x-beliebiges Material seinDenn sie sollten sich in das Raumkonzept einfügen und nicht aufgrund wuchtiger, dunkler Materialien die Blicke auf sich ziehenDeshalb nutzten Hausbesitzer Treppen, bei denen sowohl Stufen als auch Handlauf und Verkleidung aus – meist transparentem – PLEXIGLAS® waren.

Die Stufen wurden aus transparenten PLEXIGLAS® Blöcken gefertigt, durch die man hindurchsehen konnte. Wer über solch eine Treppe lief, durfte keine Höhenangst haben, denn der Boden war darunter sichtbar. Für weniger Mutige, die trotzdem nicht auf das außergewöhnliche Aussehen von transparentem PLEXIGLAS® verzichten wollten, konnten Stufen aus Holz oder anderen Materialien mit Verkleidungen aus PLEXIGLAS® Platten oder mit Handläufen aus PLEXIGLAS® Rundstäben kombiniert werden. Mit solch einer Treppe wurde das Treppenhaus schnell zum individuellen Blickfang.

All diese Gestaltungsmöglichkeiten, die PLEXIGLAS® dem Interior Design der 1970er Jahre bot, brachten die Bewohner dem Ziel näher, ihrem Zuhause eine persönliche Note zu verleihen. Auch heute noch wird PLEXIGLAS® genutzt, um Räume außergewöhnlich zu gestalten: 

Zimmertüren, die das Heim auf Hochglanz bringen
Stufe für Stufe: Neue Designmöglichkeiten fürs Treppenhaus
Eine Küche, weiß wie Schnee
Lightpanel: Flächiges Licht als Gestaltungselement 
Edle Oberflächen für Möbel und Wände
Stufen aus tausenden funkelnden Steinen