Historische Aufnahme: Platten, Blöcke und Rohre aus PLEXIGLAS®

©Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Von der Platte zu Rohren und Stäben

Mit dünnen Acrylglasscheiben begann 1933 die Geschichte von PLEXIGLAS®. Schon kurze Zeit später konnten aus dem damals noch neuen Werkstoff auch Blöcke, Rohre und Stäbe hergestellt werden.

Noch während die Firma Röhm & Haas, ein Vorgängerunternehmen von Evonik, im Jahr 1933 PLEXIGLAS® als Marke anmeldete, tüftelte die Forschungsabteilung bereits daran, das Herstellungsverfahren zu verbessern und die Produktqualität zu steigern. Sie entwickelten dabei unter anderem einen Produktionsprozess, nach dessen Prinzip noch heute PLEXIGLAS® Platten gegossen werden. Doch das war nur der Anfang einer rasanten Entwicklung der Anwendungsforschung.

Platten, Blöcke, Rohre

Otto Röhm und seine Mitarbeiter waren fasziniert davon, einen organischen Glasersatz entwickelt zu haben. Zunächst konzentrierten sich die Forscher auf Anwendungen, bei denen das wesentlich geringere Gewicht gegenüber Silikatglas im Vordergrund stand. So wurden erste kleine Platten aus PLEXIGLAS® zunächst für Schutzbrillen, Gasmasken und Uhren verwendet. Doch die Neugierde auf weitere Anwendungen mit PLEXIGLAS® trieb Otto Röhm und seine Mitarbeiter schnell dazu an, ihre Forschung auszuweiten: Die Chemiker der organisch-synthetischen Abteilung probierten alles aus, was ihnen in den Sinn kam, experimentierten mit Plattenstärken und Verarbeitungsmethoden.

Block aus PLEXIGLAS® aus dem Jahr 1938

Stärken bis zu 50 mm

Bald wurden Stärken von 1 mm aufwärts bis zu Blöcken von bis zu 50 mm produziert. Die Herstellung von Blöcken begann zwischen 1934 und 1935 zunächst in einer Seifenpresse, später erfolgte sie in einer speziell dafür gebauten Horizontalpresse.

©Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

PLEXIGLAS® schneiden, bohren, fräsen

Schnell stellte sich heraus, dass sich das Acrylglas in unterschiedlichen Stärken schneiden, bohren und fräsen ließ. Darüber hinaus waren die fertigen Platten bei hohen Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes formbar – eine Eigenschaft, die einen wesentlichen Unterschied zu den damals erhältlichen duroplastischen Kunststoffen darstellte, deren Form nach dem ersten Erkalten unveränderlich war. Damit wurde PLEXIGLAS® zu einem gefragten Material im Flugzeug – und Fahrzeugbau , wo gebogene Scheiben aus dem neuartigen Kunststoff dazu beitrugen, zuvor ungeahnte Geschwindigkeiten zu erreichen.

Kristallklare Transparenz

Auch die heutige Transparenz des Markenacrylglases von Evonik geht zurück auf eine Entdeckung aus den Anfangsjahren: Die Chemiker fanden damals einen Weg, PLEXIGLAS® ohne Weichmacher herzustellen – wodurch das Material die kristallklare Transparenz erreichte, für die es bis heute bekannt ist.

Größere Anwendungsvielfalt

Kurz darauf stellte Röhm & Haas nicht mehr nur Platten und Blöcke, sondern bereits die ersten Rohre im Schleudergussverfahren her. Dabei läuft die Polymerisation – der chemische Prozess, bei dem PLEXIGLAS® entsteht – in rotierenden Formen ab. Auch die Entwicklung der Formmassen, eines Acrylglas-Granulats fürs Spritzgießen, das heute den Markennamen PLEXIGLAS® Formmasse trägt, nahm bereits 1935 ihren Anfang.

Von der Erfindung zum Haushaltsprodukt

Größere Bekanntheit erlangte das Material durch Konzerte auf Instrumenten aus PLEXIGLAS® in der Ufa-Wochenschau und im Radio. Die Produktion von Salatbestecken, Haushaltswaren und Schmuck aus dem neuartigen Werkstoff führte schließlich dazu, dass das Material bereits 1936 in vielen Haushalten zu finden war. Die Auszeichnung mit einem Grand Prix und einer Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris 1937 machte PLEXIGLAS® dann auch im Ausland populär. Heute ist das Markenacrylglas von Evonik eine der bekanntesten Kunststoffmarken der Welt und ein gefragter Werkstoff unter anderem in Architektur, Technik, Design und Ladenbau.