Geschäftsleute mit Laptops im Flugzeug

©istock/EXTREME-PHOTOGRAPHER

Privatsphäre bei Bedarf

Blickschutzfolien verhindern ungewolltes Mitlesen, reduzieren aber die Helligkeit des Bildschirms. Eine Innovation von siOPTICA schützt mithilfe von PLEXIGLAS® Displayinhalte vor seitlichen Einblicken.

Laptops, Mobiltelefone, Geldautomaten, Infotainment-Systeme in Fahrzeugen … Viele elektronische Geräte sind mittlerweile mit einem hochauflösenden Display ausgestattet. Auf diesem sind die Inhalte sogar aus einer gewissen Entfernung noch gut zu erkennen – aber nicht immer ist das wünschenswert.

Mobiles Arbeiten als Risiko für Daten

„Jeder, der schon einmal im Zug oder Flugzeug am Laptop gearbeitet hat, kennt das unangenehme Gefühl, dass die Mitreisenden mitlesen können“, sagt Dr. Markus Klippstein, CEO von siOPTICA, einem Unternehmen, das innovative optische Lösungen für Sichtschutz- und Sicherheitsanwendungen entwickelt und vertreibt. Während Urlaubsfotos aus dem vorigen Badeurlaub eventuell nur zu intim sind, um bedenkenlos von Fremden gesehen zu werden, könnten Datendiebe – auch „visuelle Hacker“ genannt – beim Online-Shopping über die Schulter leicht die Daten von Kreditkarten einsehen.

Noch sensibler sind häufig die Daten von Geschäftsreisenden, die mobil arbeiten: Bestimmte Unternehmenskennzahlen, Details von Produkten oder strategische Aspekte unterliegen nicht selten der Geheimhaltung. „Viele Menschen verletzen beim mobilen Arbeiten unbedacht den Datenschutz“, sagt Dr. Klippstein, „und dann haben Datendiebe ein leichtes Spiel.“ Verstärkt wird das Problem noch durch die HD-Kameras von Smartphones, da damit problemlos Bildschirminhalte abfotografiert und so noch leichter gestohlen werden können.

Geschäftsfrau mit Laptop

Visuelle Hacker

Laut einer Studie aus dem Februar 2016 sind 88 Prozent aller versuchten „visuellen Hacks“, also Datendiebstähle über die Schulter, erfolgreich. In 70 Prozent der Fälle ist der Bestohlene völlig ahnungslos.

© istock/anyaberkut + istock/lisenok94144

Blickschutzfolien vermindern Helligkeit

Manch ein Unternehmen schreibt seinen Geschäftsreisenden daher schon Blickschutzfolien für das mobile Arbeiten vor. Diese werden direkt auf die Oberfläche des Laptop-Displays aufgebracht und verhindern unter anderem durch eine spezielle Struktur seitliche Einblicke. „Aber eine Displayschutzfolie reduziert die Helligkeit des Bildschirms um bis zu 50 Prozent, weswegen die Nutzer dann die Helligkeit anpassen müssen, was den Akkuverbrauch erhöht“, erläutert Dr. Klippstein. „Außerdem können die Folien vergessen werden oder verloren gehen – und dann arbeiten die Mitarbeiter doch wieder ohne sie.“

Alternative zu Displayschutzfolien

siOPTICA hat mithilfe von PLEXIGLAS® eine innovative Alternative zu Displayschutzfolien entwickelt. Als Bauteil von LCD-Bildschirmen ermöglicht diese Blickschutztechnologie Privatsphäre bei Bedarf. „Im Public-Modus lässt sich der Bildschirm von allen Seiten gut einsehen, im Private-Modus ist der Sichtbereich eingeschränkt“, erklärt Dr. Klippstein. Das Umschalten – per Schalter oder Software – zwischen den beiden Möglichkeiten, geschieht dabei in Sekundenbruchteilen, ist mit Touchscreens kompatibel und erhöht weder die Displaydicke noch den Stromverbrauch nennenswert. „Das ist eine Weltneuheit, die wir gemeinsam mit dem Know-how von Evonik und den hervorragenden Eigenschaften von PLEXIGLAS® realisieren konnten“, sagt Dr. Klippstein.

Privatsphäre bei Bedarf: So funktioniert die Blickschutztechnologie

„Das ist eine Weltneuheit, die wir mit PLEXIGLAS® von Evonik realisieren konnten.“

Dr. Markus Klippstein
CEO siOPTICA

Anschaltbarer Blickschutz: Breites Marktinteresse

Die neuartige Blickschutztechnologie ist aktuell auf dem Weg dahin, in Serienanwendungen eingesetzt zu werden – dafür kommen neben Laptops, Handys und Co. auch weitere Anwendungen in Frage. „Seit Bekanntwerden der Technologie werden völlig neue Konzepte und Anforderungen an uns herangetragen“, berichtet Dr. Klippstein. Betreiber von Bankautomaten oder Bezahlterminals beispielsweise können ihren Kunden mit der siOPTICA-Lösung eine sichere PIN-Eingabe auf Touchscreens ermöglichen. Wird das Eingabeterminal aber nicht aktiv genutzt, kann im Public-Modus, mit breitem Betrachtungswinkel, gezielt Werbung für Passanten angezeigt werden. „Bislang ist Werbung auf herkömmlichen, sichtgeschützten Bankautomaten und Bezahlterminals von Vorbeigehenden nur schwer zu sehen – die Banken können diese Werbefläche, die ja bereits vorhanden ist, nur ungenügend nutzen“, erläutert Dr. Klippstein. Nach dem gleichen Prinzip kann bei digitalen Prüfungsterminals, die sich beispielsweise bei Führerscheinprüfungen zunehmend durchsetzen, der Private-Modus Einblicke auf andere Bildschirme während der Prüfung verhindern. Im Unterricht jedoch können die Lernenden gemeinsam an einer Lerninsel arbeiten.

Ablenkung verhindern

„Während es in diesen Fällen darum geht, die Displayinhalte zu schützen, kann unsere Technologie zudem dazu beitragen, den Straßenverkehr sicherer zu machen“, sagt Dr. Klippstein. Denn moderne Infotainment-Systeme bieten neben der Navigation vielfältige Möglichkeiten zur Bedienung von Radio, Klimaanlage und PKW-Konfiguration und ermöglichen sogar das Abspielen von Filmen und die Nutzung von Apps. Doch diese Informationsflut kann den Fahrer leicht ablenken. „Hier kann unsere Technologie einen Modus schaffen, bei dem Entertainment-Inhalte während der Fahrt nur vom Beifahrer gesehen werden können“, erläutert Dr. Klippstein. „Im Grunde kann unsere Technologie also überall da eingesetzt werden, wo der einsehbare Winkel von Displays eingeschränkt werden soll.“