Bildmontage aus Aquarium-Tunnel und Zeichnungen zu Anwendungsfeldern von PLEXIGLAS®

© Evonik

„Wir wollen die Welt des Acrylglases voranbringen“

PLEXIGLAS® wird seit jeher in enger Kooperation mit Kunden, die besondere Lösungen suchen, weiterentwickelt. Was aber treibt diese Evolution an?

Aus kleinen Aquarienscheiben wurden riesige Vollglastunnel, aus dicken Platten ultradünne Folien für mobile Endgeräte – Martin Krämer, Leiter des Evonik Geschäftsgebiets Acrylic Products, erläutert im Interview, warum Evolution in der Natur der Marke PLEXIGLAS® liegt, welche Rolle Leidenschaft bei neuen Projekten spielt und wie sich das Material mit dem Know-how von Evonik in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.

Herr Krämer, der Markenkern von PLEXIGLAS® ist Inspiration. Wie aber entstehen aus Inspiration neue Anwendungen mit PLEXIGLAS®?

Krämer: Indem viele Leute darüber nachdenken, was sie noch alles mit unserem Material anfangen können – auch außerhalb unseres Unternehmens. Viele Designer, Architekten, Entwickler und andere Anwender kennen PLEXIGLAS® bereits aus vorherigen Projekten und realisieren deshalb auch ihre neuen Ideen mit unserem Material. Oder sie experimentieren mit den vielfältigen Eigenschaften, weil sie auf der Suche nach einer Lösung für ihr Projekt sind und schaffen so etwas völlig Neues. Wir verstehen uns dabei als innovativer Partner unserer Kunden, die wir mit unserem Know-how aus mehr als 80 Jahren PLEXIGLAS® und unseren Marktkenntnissen weltweit unterstützen.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Krämer: Dass es inzwischen Vollglaskuppeln aus PLEXIGLAS® für U-Boote gibt, beruht auf einer gemeinsamen Weiterentwicklung mit unseren Kunden. Angefangen hatte in diesem Bereich ja alles mit kleinen Sichtfenstern. Unsere Kunden wollten aber immer größere Scheiben. Bis zur Entwicklung der Vollglaskuppeln haben wir gemeinsam enorm viel ausprobieren müssen, da es extrem kompliziert ist, einen Block aus PLEXIGLAS® so umzuformen, dass die spätere Kugel keine optischen Verzerrungen aufweist. Ich stelle bei meinen Mitarbeitern immer wieder eine besonders große Leidenschaft fest, wenn es darum geht, eine Lösung für eine Anwendungsfrage zu finden – ganz gleich in welchem Bereich.

Martin Krämer

Martin Krämer

…ist seit 2015 Leiter des Evonik Geschäftsgebiets Acrylic Products, das mit seinem Portfolio an PLEXIGLAS® Halbzeugen einer der weltweit führenden Hersteller von Polymethylmethacrylat (PMMA) ist. Faszinierend sind für ihn nicht nur die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von PLEXIGLAS®, sondern auch der Entstehungsprozess bis zur fertigen Platte. „Jede Plattenherstellung ist eine chemische Reaktion, bei der viele verschiedene Parameter eine Rolle spielen. Es ist nicht so, dass man auf der einen Seite etwas in eine Maschine reingibt und auf der anderen Seite immer das Gleiche rauskommt. Die Qualität unserer Produkte basiert zu einem großen Teil auf dem Know-how unserer Mitarbeiter.“

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Wie wichtig ist diese beständige Weiterentwicklung für die Marke PLEXIGLAS®?

Krämer: Enorm wichtig. Weiterentwicklung ist das, was uns antreibt. Es liegt einfach nicht in der Natur unserer Marke, hinterherzulaufen. PLEXIGLAS® ist das Original. Wir haben es erfunden und können mit Recht sagen, dass wir diejenigen im Markt sind, mit der größten Erfahrung. Wir wollen daher der führende Trendsetter und Impulsgeber unserer Industrie sein und sehen uns als Partner der Wahl, wenn unsere Kunden etwas Neues entwickeln wollen. Das heißt: Wenn jemand etwas mit PMMA machen will, dann steht Evonik als führender Hersteller von polymeren Werkstoffen und Zwischenprodukten als der erste Ansprechpartner bereit.

Was unterscheidet PLEXIGLAS® denn ganz grundsätzlich vom Wettbewerb?

Krämer: Die Konstanz der Qualität, die Breite der Produktpalette, die technische Fähigkeit für den Umgang mit dem Material und auch die Leidenschaft, um die Projekte unserer Kunden voranzutreiben. Denn nur wenn man begeistert ist, von dem was man macht, dann geht man über das Normalmaß hinaus und findet nicht nur irgendeine Lösung, sondern eine richtig gute Lösung. Vielleicht auch eine Lösung, die es bisher so noch nicht gab. Wir wollen die Welt des Acrylglases ständig weiterentwickeln und damit voranbringen, oder wie wir es in unserer Vision ausdrücken: „Evolution in Acrylics is our Passion.“

Evolution in Acrylics is our Passion

Vision des Evonik Geschäftsgebiets Acrylic Products

Was meinen Sie konkret?

Krämer: Bei uns geht es in der Regel darum, eine Evolution voranzutreiben, nicht eine Revolution auszurufen. Wir erfinden hier nicht jede Woche eine bahnbrechende, weltveränderne Neuerung. Vielmehr geht es darum, im engen Kontakt mit unseren Kunden PLEXIGLAS® kontinuierlich weiterzuentwickeln. Beispielsweise werden wir mit unserer neuen Reck- und Polieranlage, die 2018 in Betrieb gehen soll, größere Formate für Flugzeugverscheibungen anbieten als bisher möglich. Damit können Hersteller in der Produktion ihre Effizienz steigern und neue Designs mit größeren Fenstern entwickeln. Ein anderes Beispiel ist unsere neue Folienanlage, die ebenfalls 2018 die Produktion aufnimmt und die technisch ihresgleichen sucht, etwa bei der Breite der hergestellten Folien und bei der Anzahl der Schichten. Das sind zwei Neuerungen in der Welt des Acrylglases, die zeigen, was wir bei Evonik unter der intelligenten Gestaltung unseres Chemiegeschäfts verstehen.

Damit steht PLEXIGLAS® 2018 eine immense Weiterentwicklung bevor. Warum investiert Evonik ausgerechnet in diese Bereiche?

Krämer: Weil wir in beiden Bereichen sehen, dass es dort in den kommenden Jahren ein erhebliches Wachstum geben wird, das sehr stark von großen Trends getrieben ist. Einmal von dem Thema Mobilität. Es werden in den kommenden 20 Jahren viele Zehntausend Flugzeuge in den Dienst gestellt werden, weil es beispielsweise in China und Indien ein enormes Wachstum der Mittelschicht gibt, was auch zu einer größeren Nachfrage nach Flügen führt. Daran möchten wir natürlich partizipieren, waren aber auch gleichzeitig der Meinung, dass wir mit unserem Know-how der ideale Partner für die Kunden sind, diesen Anwendungsbereich weiterzuentwickeln.

Und bei den Folien?

PLEXIGLAS® ist das Original

Seitdem Otto Röhm den Werkstoff vor mehr als 80 Jahren erfunden hat, ist daraus eine große PLEXIGLAS® Familie geworden. Das Grundmolekül, um dass es eigentlich geht, das Polymethylmethacrylat, ist dabei immer noch das Gleiche wie zu Röhms Zeiten. Was sich aber verändert hat ist der Umgang mit dem Material. So haben sich die Guss- und Extrusionstechniken weiterentwicklt. Außerdem wird PLEXIGLAS® heute mit viel differenzierten Additiven und unter anderen umweltrelevanten Vorgaben hergestellt.

Krämer: Bei den Folien spielt das Thema Urbanisierung eine große Rolle. Immer mehr Menschen leben in Großstädten und dafür muss gebaut werden. Fensterprofile aus PVC sind zum Schutz vor Wind und Wetter mit einer Folie aus PLEXIGLAS® versehen. Da geht eine große Menge unseres Materials rein. Aber durch den Trend werden auch andere Dinge angestoßen, etwa der Schutz von Fassaden durch Folien. Überall da, wo Fassaden vor starken UV-Einflüssen geschützt werden sollen, ist PMMA das Mittel zur Wahl. Dafür investieren wir in die neue Folienanlage.

Nicht immer entwickeln sich Trends ja aber so, wie angenommen…

Krämer: In der Tat: Wir mussten in der Vergangenheit auch schon manche neue PLEXIGLAS® Variante wieder einstellen. Aber ohne den Mut zur Weiterentwicklung geht es einfach nicht. Denn wenn man den nicht hat, sondern immer darauf wartet, dass man sich seiner Sache hundertprozentig sicher ist, wird man die Entscheidung nie treffen. Man braucht die Bereitschaft, gut kalkulierte Risiken einzugehen. Das ist die Basis für Weiterentwicklung.