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Fliegen mit Ausblick

Der Trend entwickelt sich zu immer größeren Flugzeugfenstern. Evonik investiert daher in eine neue Reck- und Polieranlage und liefert ab 2018 extragroße PLEXIGLAS® Platten für die Luftfahrtindustrie.

Wenn auch die höchsten Gipfel ganz klein werden und Großstädte nur aus leuchtenden Punkten zu bestehen scheinen: Der Ausblick aus einem Flugzeug ist atemberaubend. Allerdings nur für denjenigen, der sich nicht mit dem Platz am Gang begnügen muss, denn die nur 29 Zentimeter hohen Fenster gewähren meist nur einer Person Ausblick. Größere Scheiben könnten indes jeden Passagier an der Freude teilhaben lassen.

Blick in die Zukunft

Freie Sicht über den Wolken für alle Reisenden – Konzeptstudien vom Flugzeug der Zukunft zufolge könnte das in mehreren Jahren Realität sein. Experten gehen davon aus, dass dann gar vollverglaste Maschinen am Himmel kreisen, in denen Passagiere und Piloten ihre Umgebung durch riesige Panoramascheiben ungehindert betrachten.

„Der Trend geht ganz klar zu größeren Kabinenfenstern in Verkehrsmaschinen“, sagt Martin Krämer, Leiter des Geschäftsgebietes Acrylic Products von Evonik. Der Essener Konzern ist mit seiner Marke PLEXIGLAS® schon seit mehr als 80 Jahren ein führender Hersteller für Fliegwerkstoffe. Dass das Markenacrylglas im Flugzeugbau zum Einsatz kommt, liegt an dessen hoher optischer Qualität, dem geringen Gewicht und der guten Verarbeitbarkeit. Zudem ist PLEXIGLAS® deutlich bruchfester und nur etwa halb so schwer wie Glas – gerade in großen Höhen zwei wichtige Faktoren.

Komplettanbieter für die Luftfahrtindustrie

Für Scheiben in Flugzeugen und Hubschraubern kommt ein spezieller PLEXIGLAS® Typ zum Einsatz. Vereinfacht ausgedrückt sind das zertifizierte Platten aus gegossenem PLEXIGLAS®, die zudem in einem aufwendigen und sehr komplexen Verfahren gestreckt oder, wie der Fachmann sagt, gereckt werden. Der Vorteil gereckter PMMA-Platten: Sie weisen eine verbesserte Schlagzähigkeit und eine erhöhte chemische Beständigkeit auf.

Evonik ist bereits heute ein führender Hersteller des notwendigen Vorprodukts für gereckte Platten. Mit der neuen Anlage in Weiterstadt wird Evonik ab 2018 auch den Streck- und Polierprozess im eigenen Hause durchführen – und dies für Platten in einem deutlich größeren Format als es bisher möglich war. Das Evonik Geschäftsgebiet Acrylic Products wird damit zum Komplettanbieter gegossener und gereckter Platten aus PMMA für die Luftfahrtindustrie. „Das war für uns der nächste logische Schritt, mit dem wir konsequent die Strategie unseres Segments Performance Materials verfolgen“, erläutert Krämer. „Wir positionieren uns damit als der führende Hersteller von polymeren Werkstoffen und Zwischenprodukten. Basierend auf den guten Beziehungen zu unseren Kunden werden wir so zum Mitgestalter ihrer Geschäfte und setzten Maßstäbe in unseren Märkten.“

Große Verscheibungen aus einem Stück

Möglichst große gereckte PLEXIGLAS® Platten sind unabdinbar, wenn die Fenster und Cockpitscheiben in Flugzeugen und Hubschraubern größer werden sollen. Zwar sind vollverglaste Maschinen und Panoramafenster über den Wolken bislang noch Zukunftsmusik, doch hat etwa der Flugzeughersteller Boeing die Fenster des aktuellen Dreamliners schon um zwei Drittel vergrößert. „Durch unser weltweit größtes Format für gereckte Platten ermöglichen wir neue Designs für übergroße Verscheibungen und steigern deutlich die Effizienz für kleine Kabinenfenster“, erkärt Roland Mickal, Leiter des Marktsegments Transportation im Geschäftsgebiet Acrylic Products von Evonik.

Wussten Sie eigentlich…

…dass ganz gleich wie groß Flugzeugfenster einmal werden, jedes von ihnen ein winzig kleines Loch braucht? Es dient der Belüftung des Fensters. Das sogenannte Atmungsloch soll verhindern, dass durch sich ansammelnde Feuchtigkeit zwischen der Außen-, Mittel- und Innenscheibe das Fenster beschlägt. Stattdessen kann die Feuchtigkeit entweichen. Außerdem verhindert das Loch, dass sich zwischen der äußersten und der mittleren Innenscheibe kein allzu großer Druck aufbaut und das Fenster nicht zu Bruch geht.

Gut zu verarbeiten

Denn die extragroßen gereckten Platten sind nicht nur für die größer werdenden Fenster und Cockpitscheiben von Vorteil: Hersteller konventioneller Flugzeugscheiben können aus einer einzigen gereckten Platte auch mehr Fenster als bisher herstellen. Das steigert die Ausbeuten und damit die Effizienz. Zudem können sich die Flugzeugbauer auf die Qualität von PLEXIGLAS® verlassen: Die gereckten Platten werden durch den neuen Schleif- und Polierprozess eine deutlich verbesserte Dickentoleranz im Verlgeich zu heutigem Material aufweisen. Diese reduzierte Dickentoleranz führt zu besserer Verarbeitbarkeit und zusätzlich zu einer deutlichen Gewichtsreduzierung am Endprodukt, dem Flugzeugfenster. „Diese verbesserten Eigenschaften bei gerecktem PLEXIGLAS® sind ein wahrer Kundennutzen, den Evonik über das reine Produkt hinaus bietet, und ein gutes Beispiel dafür, was das Evonik Segment Performance Materials unter der intelligenten Gestaltung des Chemiegeschäfts versteht“, so Geschäftsgebietsleiter Krämer.

Mit unserer neuen Reck- und Polieranlage positionieren wir uns wieder einmal als innovativer Partner an der Seite unserer Kunden

Martin Krämer
Leiter des Geschäftsgebiets Acrylic Products von Evonik

Bestens gerüstet für den Trend

„Mit unserer Investition eines zweistelligen Millionenbetrags in die neue Reck- und Polieranlage setzen wir Maßstäbe und positioniern uns wieder einmal als innovativer Partner an der Seite unserer Kunden – ganz getreu unserer Vision „Evolution in Acrylics is our Passion“, sagt Krämer. Der Blick in die Zukunft beweist, dass PLEXIGLAS® damit auf dem richtigen Weg ist. Schätzungen zufolge besteht bis 2031 ein Bedarf an ca. 30.000 neuen Passagiermaschinen, schildert der Aviation-Experte bei PLEXIGLAS® Mickal: „Der Bedarf an hochwertigen gereckten PMMA-Platten von der Marke PLEXIGLAS® ist also definitiv da.“