© Evonik / Fotograf Markus Schmidt

Bühnenbild mit Durchblick

Bei den Nibelungenfestspielen in Worms wird das bekannte Versepos jedes Jahr neu interpretiert. Bühnenbildnerin Irina Schicketanz weiß, welche Rolle PLEXIGLAS® beim Wechselspiel von Inszenierung und Bühne spielt.

"Das Material ist die Grundlage. Ich gehe bei der Entwicklung einer Idee für ein Bühnenbild oft vom Material aus", sagt Irina Schicketanz. So gestaltet Schicketanz Bühnen – und beeinflusst Aufführungen, wie in den vergangenen 26 Jahren in vielen namhaften Theaterhäusern des Landes. Bei der 2016er-Auflage der Nibelungenfestspiele sogar ganz besonders: Das Stück "Gold – Der Film der Nibelungen" spielt mit der Idee des durchsichtigen, entblößten Schauspielers und wurde geschrieben, während Schicketanz ihre Ideen zur Bühne entwickelte.

Irina Schicketanz

Die Bühnenbildnerin wurde in München geboren und studierte Bühnen- und Filmgestaltung an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit ihrem Diplom 1990 arbeitet sie als freie Künstlerin, Bühnen- und Kostümbildnerin und übernahm auch die Ausstattung mehrerer Filme. Mit dem Nibelungen-Regisseur Nuran David Calis arbeitete sie zuvor unter anderem am Volkstheater Wien, am Theater Berlin und am Residenztheater München zusammen.

© Evonik / Fotograf Markus Schmidt

Die Bühnenbildnerin konnte dadurch ihre Ideen direkt in die Inszenierung von Regisseur Nuran David Calis und den Text von Albert Ostermeier einfließen lassen. Eine dieser Ideen: Eine Reihe von durchsichtigen Garderoben aus PLEXIGLAS®, dem Markenacrylglas von Evonik , welche die komplette linke Seite der Bühne in Anspruch nehmen. Denn „Gold“ ist ein Stück im Stück. Theater, das mit verschiedenen Ebenen spielt. Die Schauspieler spielen eine Filmtruppe, die einen Film über die Nibelungen drehen will, und dabei parallel zum Sagenstoff Streits und Katastrophen durchlebt. Ergebnis ist ein Theaterstück, das zwischen Satire, Psychogramm und Film pendelt. Die Nibelungenfestspiele in Worms wagen seit 15 Jahren den Versuch, fast jährlich einen neuen Blick auf die alte Sage zu werfen.

Nibelungenfestspiele in Worms

Die Nibelungenfestspiele finden seit 2002 jährlich als Freilufttheater vor dem Wormser Dom statt, dem in der Sage erwähnten Originalschauplatz. Aufgeführt wurden in den vergangenen Jahren höchst unterschiedliche Versionen des Stoffes, darunter die 1861 von Friedrich Hebbel verfasste Inszenierung, aber auch angepasste Neu-Interpretationen der Sage oder, wie 2016, eine in die Moderne verlagerte Version, die den Nibelungenstoff als Ausgangspunkt benutzt. Als Schauspieler standen in den vergangenen Jahren unter anderem Mario Adorf, Jasmin Tabatabai, Meret Becker oder Dirk Bach auf der Bühne.

Das Voyeuristische ist Teil des Spiels

Die Auflage 2016 ist eine moderne Aufführung. Die PLEXIGLAS® Kabinen sind der Rückzugsort, an dem die Schauspieler mit Monologen Einblicke in ihr Seeleninneres geben. Ein Inneres, das umso drastischer nach außen gekehrt wird, weil gleichzeitig eine Kamera die Gesichter in Großaufnahme auf eine immense Leinwand wirft – ein Kniff, der einerseits den über tausend Zuschauern das Fernglas ersparen und andererseits die Idee der Filmaufnahmen unterstreichen soll. „Für all das war Transparenz entscheidend“, sagt Schicketanz. „Das Voyeuristische ist Teil des Spiels, deswegen die durchsichtigen Wände.“

Dafür eignete sich das Markenacrylglas ganz besonders: Glas wäre zu schwer gewesen, und zudem bruchgefährdet – die Schauspieler interagieren mit dem Material, werfen sich dagegen, schlagen Türen zu oder kämpfen in ihren Kabinen. Tatsächlich sind die vorderen Wände deswegen extra verstärkt: 20 Millimeter Original PLEXIGLAS® Platten, robust und gleichzeitig transparent. Die Türen sind aus der Vorderwand heraus gefräst und besitzen alle wiederum einen eingefrästen Stern, der direkt an Hollywood erinnert – auch das ist mehr als schlichte Deko. Von der ersten Minute an werden Kabine, Wände und Türen durch die Beleuchtung ins Schauspiel mit einbezogen. Dank der besonderen lichttechnischen Eigenschaften des Markenacrylglases lässt sich zum Beispiel über die Schnittkanten Licht einleiten, so dass wahlweise nur die Kanten oder die gesamten Kabinen leuchten. Während der Aufführung wechselt so die Beleuchtung je nach Stimmung zwischen unruhigem Flackern, grellem Schein oder schummrig-bedrohlichem Rot.

Beleuchtung unterstreicht Handlung

Passend zur jeweiligen Stimmung auf der Bühne erstrahlen die Kabinen in verschiedenen Beleuchtungen. Durch die lichttechnischen Eigenschaften von PLEXIGLAS® tritt das Licht etwa nur an den Kanten aus.

© Markus Schmidt

„PLEXIGLAS® leuchtet einfach richtig stark“, sagt Schicketanz, die früher bereits auf anderen Bühnen mit dem Werkstoff gearbeitet hat, sei es als transparente Wand oder als gefräste Skulptur. Ein Vorteil ist ihr allerdings erst im Zuge der Arbeiten rund um die Nibelungen bewusst geworden: Bei den traditionell im Hochsommer stattfindenden Proben und Aufführungen heizten sich einzelne Bereiche der Bühne, wie zum Beispiel das Innere der Kabinen, auf „gut 50 Grad Celsius“ auf, wie die Bühnenbildnerin berichtet. PLEXIGLAS® aber habe das gar nichts ausgemacht, es habe sich weder verformt noch sei es selbst übermäßig heiß geworden. Ein wichtiger Vorteil, wenn, wie in einer Szene, bis zu 15 Leute gleichzeitig in einer kleinen Kabine stecken, oder während der Monologe Hände, Zungen und Oberkörper gegen die durchsichtige Wand gepresst werden.

Original PLEXIGLAS® – langjähriger Partner

Seit Jahren ist das Markenacrylglas der ideale Partner für Bühne und Inszenierung der Nibelungenfestspiele. So ritt zum Beispiel in einer der klassischen Aufführungen die isländische Königin Brunhilde auf einem überlebensgroßen Pferd aus durchsichtigem PLEXIGLAS® auf die Bühne. 2015 wiederum diente das Markenacrylglas als Grundlage für einen großen Tisch, der am Ende von innen rot beleuchtet wurde – möglich dank der hervorragenden lichtleitenden Eigenschaften des Werkstoffes.

Was während der Aufführung klar wird: Nichts, was hier auf der Bühne steht, ist Zierde. Schicketanz und Regisseur Calis lassen die Schauspieler ständig mit dem Bühnenbild interagieren. Das Material ist im wahrsten Sinne des Wortes, wie Schicketanz unterstrichen hat, die Grundlage, auf der die Aufführung aufgebaut wird. In diesem Fall: auf Original PLEXIGLAS®.