© Triton Submarines LLC

Abtauchen ins Great Barrier Reef

Die Erderwärmung bringt das größte Korallenriff der Erde in Gefahr: fast 93 Prozent der Korallen sind vom Absterben bedroht. Dank PLEXIGLAS® kann die Aufmerksamkeit auf die beginnende Katastrophe gelenkt werden.

Das Great Barrier Reef hat nahezu gigantische Ausmaße: rund 65 Kilometer breit und 2.300 Kilometer lang. Es ist der größte lebende Organismus auf unserem Planeten und zugleich der einzige, den man auch vom Weltall aus sehen kann. Genauso groß ist auch die Artenvielfalt, die sich hier tummelt: mehr als 1.500 verschiedene Fischarten, circa 600 Korallensorten und 30 verschiedene Wal- und Delphinarten. Doch der kostbare Kosmos unter Wasser ist bedroht.

Der bleiche Tod

Fast die Hälfte der schillernden Korallenpracht ist bereits tot – vernichtet durch die Korallenbleiche. Ein Phänomen, das durch zu hohe Wassertemperaturen hervorgerufen wird. Denn Korallen brauchen Algen zum Leben. Diese erzeugen nicht nur die bunte Farbenvielfalt, sondern sie versorgen die Korallen auch mit Nährstoffen. Ist es zu warm, beginnen die Algen Gift abzusondern. Die Korallen stoßen sie dann ab, verkalken und werden bleich. Noch ist ein Großteil des Schadens aufzuhalten, denn die Korallen können sich von einem leichten Befall wieder erholen. Dazu muss jedoch die Wassertemperatur sinken und die Wasserqualiät wieder ansteigen – und das möglichst schnell.

Sichtbar machen, was geschützt werden muss

Der preisgekrönte britische Tierfilmer und Naturforscher Sir David Attenborough will in einer groß angelegten Kampagne  auf die Bedrohung dieses sensiblen Ökosystems aufmerksam machen: In Zusammenarbeit mit der BBC und dem Naturhistorischen Museum London macht er die Unterwasserwelt des Riffs für Fernsehzuschauer und im Internet erlebbar und nimmt beispielsweise die Besucher  des Naturhistorischen Museum London mit auf einen Virtual-Reality Tauchgang ins Great Barrier Reef.

Wie ein Fisch im Wasser dank PLEXIGLAS®

Die einzigartigen Naturaufnahmen in 3-D-Technologie erforderten eine U-Boot-Kuppel, die so klar wie Glas und so stark wie Stahl ist, um dem hohen Druck unter Wasser standhalten zu können. Das stellte den Tauchboot Hersteller Triton vor eine große Herausforderung. PLEXIGLAS®, das Markenacrylglas von Evonik, wurde zur buchstäblich letzten Hoffnung von Triton Submarines. Mehrere Versuche von anderen Anbietern mit unterschiedlichen Produktionsmethoden waren nicht zuverlässig genug und entsprachen nicht den Qualitätsanforderungen. „Es gab weltweit kein anderes Unternehmen, dem wir diese technologische Pionierleistung zutrauten, denn für einen umfassenden Rundumblick wollten wir die größte Vollglaskugel bauen, die es bisher je gegeben hat“, erzählt Patrick Lahey, Managing Partner bei den amerikanischen Tauchboot-Boot-SpezialistenTriton Submarines LLC.

Triton U-Boote: Alle an Bord!

So abenteuerlich wie eine Expedition

Die Herstellung der riesigen PLEXIGLAS® Kugel wurde selbst zu einer kleinen Forschungsreise – nur mit dem Unterschied, daß sie bei Evonik in Darmstadt und nicht im Südpazifik stattfand.

„Wir hatten schon einige Tauchboot-Verglasungen hergestellt, allerdings noch nie mit der Krümmung einer Kugel. Deshalb mussten wir uns eine völlig neue Technologie ausdenken“, erinnert sich Wolfgang Stuber, Spezialist für Sonderverglasungen bei PLEXIGLAS®. Und das geht natürlich nicht von heute auf morgen: Evonik und Triton Submarines investierten in enger Zusammenarbeit eineinhalb Jahre Entwicklungszeit in das Projekt. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen, die Triton bei anderen Unternehmen herstellen ließ, entschieden sich Stuber und die Experten der Firma Heinz Fritz Kunststoffverarbeitung dafür, das Markenacrylglas nicht zu gießen, sondern Blöcke aus PLEXIGLAS® in Halbkugeln umzuformen. Zwei dieser Halbkugeln wurden dann zusammengeklebt. „Den Klebstoff mussten wir natürlich auch noch erfinden“, so Stuber, „einen Klebstoff, der Acrylglas unter so extremen äußeren Bedingungen zusammenhält und dabei fast unsichtbar ist, gab es auch noch nicht.“

Aus zwei mach eins

Die zwei Halbkugeln wurden von Evoniks Verarbeitungspartner Heinz Fritz Kunststoffverarbeitung überarbeitet, geschliffen, poliert und zu einer Kugel zusammengeklebt. Die Kugel hat einen Durchmesser von 2100 mm und eine Wanddicke von 166 mm. Das Gewicht beträgt 2,2 Tonnen. Sie ist für eine Tauchtiefe von 1000 Metern zugelassen. Die Hohlkugel aus PLEXIGLAS® ermöglicht so einen kompletten Rundumblick und ist gleichzeitig der schützende Druckkörper für die Passagiere.

© Evonik

Für Halbkugeln wie Klebstoff musste Evonik zudem einzelne Zertifikate der Germanischen Llyod erwerben, die in etwa mit dem TÜV für Autos zu vergleichen ist. Denn alles, was zur Seefahrt gehört, unterliegt strengsten Qualitätskontrollen und Klassifikationsregeln. „Der Aufwand hat sich wirklich gelohnt“, meint Lahey mit sichtlichem Stolz. „Die PLEXIGLAS®-Kugel ist so klar, dass sie beim Eintauchen ins Wasser fast unsichtbar wird! Wir hatten schon Passagiere, die nach der Innenwand getastet haben, um sicher zu sein, dass sie wirklich da ist.“

Treibhauseffekt glasklar

Genau diese Transparenz der Tauchboot-Kuppel war es, die es Triton 3300/3 erlaubte, die Schätze, aber auch die Schäden des Great Barrier Reefs der Welt vor Augen zu führen. Denn nur der völlig barrierefreie 360-Grad-Blick ermöglicht die eindrucksvollen Bilder, die die Zuschauer die Unterwasserwelt fast hautnah erleben lassen.